200 Jahre nach dem Tode von J.H. Schroeter haben sich bei uns Nachfahren gemeldet!

Rund 200 Jahre nach dem Tod des Lilienthaler Amtmannes und großen Astronomen Johann Hieronymus Schroeter melden sich seine Nachkommen und wir erfahren viel Neues aus der Familiengeschichte dieses wohl bedeutendsten Bürgers unserer Gemeinde.

Am 14. Juni 2011 besuchte uns Frau Bittner aus Sanitz/Rostock, um die Wirkungsstätte ihres Vorfahren kennenzulernen. Über Recherchen im Internet erfolgte der Kontakt zu unserem Heimatverein. Die Bedeutung Schroeters hatte sie erst in der letzten Zeit so richtig erkannt und sichteten Alben und Unterlagen ihrer Familien. So erhielten wir die überhaupt ersten Fotografien aus der Schroeter-Familie.

Sie stellte uns auch folgenden selbst erstellten Stammbaum zur Verfügung

 

 

Johann Hieronymus Schroeter wurde 1746 in Erfurt geboren und verstarb 1816 in Lilienthal. Sein Familienleben war wohl auch aus damaliger Sicht etwas ungewöhnlich und vieles unbekannt.

Versorgt mit den notwendigen Dingen des täglichen Lebens wurde Schroeter durch seine 13 Jahre ältere Schwester Elisabeth, die ihn schon von Erfurt her ständig begleitete. Schroeters einziges Kind, sein Sohn Johan Friedrich, wurde am 11. Juni 1786 in Lilienthal St.Jürgen, Oberende 1, geboren und entstammt der Verbindung mit Ahlke Lankenau, einer Bauernstochter, mit der sich Schroeter „in einer wenngleich nicht gesetzmäßigen, doch wahren, auf zeitlebens eingegangener christlichen Ehe“ verbunden fühlte.

Lt. Familienbuch der ev. Kirchengemeinde St. Jürgen wurde Johann Friedrich als „Lankenau“ geboren. Erst etwas später wird im Kirchenbuch die Adoption durch den leiblichen Vater J.H. Schroeter dokumentiert. Für Mutter und Sohn errichtete J. H. Schroeter 1791 sein heute noch bestehendes Lilienthaler Wohnhaus (heute das „Amtmann-Schroeter-Haus“). Bis zum Brande im Jahre 1813 (Franzosen fackelten fast ganz Lilienthal ab) wohnte er selbst in seiner Dienstwohnung im Lilienthaler Amtshaus. Erst 1813, als auch das Amtshaus in Schutt und Asche fiel, bezog er das Wohnhaus der Familie. Der Sohn genoss eine vorzügliche Ausbildung und wurde ebenfalls wie der Vater Jurist.

Während der Franzosenzeit wurde J.H. Schroeter als Oberamtmann abgesetzt und Sohn Johann Friedrich im neu geschaffenen „Canton Lilienthal“ von den Franzosen als Verwaltungschef eingesetzt. Am 29. August 1816 verstarb  Dr. J.H. Schroeter in Lilienthal. Sohn Dr. Johann Friedrich Schroeter verließ Lilienthal und zog am 1. September 1817 nach Burgdorf bei Hannover um. Er nahm den Rest der Instrumente Schroeters, die nicht nach Göttingen gegangen waren, nach dorthin mit. Sein beruflicher Werdegang: Amtsassessor beim Königlichen Amt Burgdorf (Hann.). Johann Friedrich Schroeter ehelichte Charlotte Kirchhof in diesem Zeitraum. Der genaue Hochzeitstermin ist nicht bekannt.

Aus einem Schreiben von Dr. Wilhelm Olbers vom 29. August 1816 an den Berliner Astronomen Johann E. Bode erfahren wir: „Was aus diesen Instrumenten werden wird, weiß ich nicht. Sein einziger Sohn (Johann Friedrich), ein junger sehr genievoller Mann, liebt und übt auch die Astronomie und wird sich sehr ungern von diesen schönen Werkzeugen trennen.“

 Aus dem Stammbaum der Familie sowie der Urkunde und auch ergänzend aus der Chronik Adolphsdorf erhalten wir die Information, daß J. H. Schroeter die Hofstelle Nr. 1 in Adolfphsdorf erwarb und dort 1803 eine Windmühle bauen ließ.

Wir entnehmen dem Stammbaum und den uns überreichten Unterlagen weiter:

 Dr. Johann Friedrich Schroeter und Ehefrau Charlotte Dorothea wurde ein Junge namens Wilhelm am 1. Dezember 1818 geschenkt. (Geburtsort: Dachtmissen –Burgdorf/Hann. (Taufpate: Dr. Wilhelm Olbers)

Wilhelm Schroeter, Enkelsohn J.H. Schroeters, wurde auch lt. vorliegender Urkunden  später Besitzer der Windmühle in Adolphsdorf. Da Wilhelm Schroeter mit seiner späteren Ehefrau Johanna Auguste am 19.12.1849 „nur“ ein Mädchen namens „Amalie Elisabeth Charlotte“ bekam, ging der Name „Schroeter“ verloren.

Doch die von Dr. Heide Bittner erstellte Ahnentafel zeigt, dass die „Schroeter-Linie“ bis zum heutigen Tag besteht und es Nachkommen dieses bekannten und berühmten Lilienthaler Bürgers gibt.

Harald Kühn

Die amerikanische Linie der Schroeter-Familie

Georg Schroeter – Enkel von J.H. Schroeter – wandert 1850 in die USA aus.

Ein glücklicher Zufall wollte es, dass  die amerikanische Linie der Schroeter-Familie von den Aktivitäten in Lilienthal erfuhr, und bald meldeten sich Carol Page aus Kalifornien und dann ihr Cousin Herbert F. Schroeter aus Birmingham.

Mehrere Mails wurden in den darauffolgenden Monaten geschrieben und familiengeschichtliches Wissen ausgetauscht. Das Interesse an Lilienthal wuchs, und Herbert F. Schroeter entschied sich bald, das Wirkungsfeld seines Vorfahren kennenlernen zu wollen. Ein vom Heimatverein Lilienthal gestaltetes Besuchsprogramm führte das Ehepaar Schroeter an die vielen Plätze und Einrichtungen, die an den berühmten Ahnen erinnern.

Zuerst wurde das Grab Schroeters an der Westseite der Lilienthaler Klosterkirche besucht, wo auch seine Lebensgefährtin Ahlke, sein Sohn Johann Friedrich und dessen Frau Dorothea beigesetzt sind.

Nach 200 Jahren hält ein Schroeter den Sextanten seines Ahnen wieder in der Hand. Von links: Harald Kühn, Doris und Herbert F. Schroeter

 

Besonders gefreut hat sich das Ehepaar Schroeter, im Heimatmuseum noch astronomische Originalgeräte ihres Ahnen sehen zu können. Und so hielt für kurze Zeit wieder ein „echter Schroeter“ den ausgestellten Sextanten nach rund 200 Jahren in der Hand.

Schnell entwickelte sich auch zwischen den Gästen aus Amerika und den Lilienthaler Heimatfreunden ein äußerst freundschaftliches Verhältnis.

Die Besichtigung der Sternwarte in St. Jürgen-Wührden fand bei unseren Gästen ebenfalls großes Interesse. Es kam dabei sehr gut zum Ausdruck, mit welcher Begeisterung auch heute in Lilienthal angewandte Astronomie betrieben wird.

Der Besuch des Amtmann-Schroeter-Hauses war ein weiterer Höhepunkt. Die Geschäftsführerin, Almut Gellendin-Gieschen, erläuterte die Geschichte des ehemaligen Familienhauses der Schroeter-Familie und berichtete von dem vielseitigen Programm, welches in der Begegnungsstätte angeboten wird.

Überhaupt war Herbert F. Schroeter überrascht von der Verehrung und Beachtung, die seinem berühmten Vorfahren in Lilienthal entgegengebracht wird.

Dieses kam besonders zum Ausdruck, als anlässlich des Schroeter-Besuches zu einer heimat- und familiengeschichtlichen Veranstaltung in den Schroeter-Saal von Murkens Hof eingeladen wurde, und 65 Gäste kamen.

Der historische Schroeter-Film von Herbert Fouquet, der das Leben und Wirken Johann Hieronymus Schroeters sehr authentisch wiedergibt, wurde gezeigt, und Harald Kühn berichtete in seinem Vortrag über die internationale Anerkennung, die Schroeter zuteil wurde.

Harald Kühn, ein Buch über die amerikanische Schroeter-Familie, geschrieben von Carol Page. Es beinhaltet neben einer familiengeschichtlichen Darstellung kleine und amüsante Geschichten, die sich in den amerikanischen Schroeter-Familien zugetragen haben. Es ist geplant, diese interessante Dokumentation ins Deutsche übersetzen zu lassen.

Am Tag zuvor überreichte er eine weitere historische Kostbarkeit: Einen Originalbrief von Johann Hieronymus Schroeter aus dem Jahr 1813, gerichtet an die französische Kommandantur.

„Jetzt kommt der Brief wieder zurück, woher er vor 199 Jahren gekommen ist“, erklärte Herbert F. Schroeter bei der Übergabe. Bisher wurde dieses wertvolle Dokument in den USA von einer Generation zur anderen weitergegeben. 

   
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